Samstag, 5. September 2015

Turbulente Wochen

Hallo meine Lieben,

Die letzten Wochen waren...anstrengend, nervenaufreibend und absolut ätzend.
Wo fange ich am besten an?
Vielleicht bei meinem Praktikum. Ich fand das Praktikum an sich echt super. Es hat total viel Spaß gemacht, aber es war auch so anstrengend. Mo-Fr 10-19h...oftmals ohne Pause.
Ich bin jetzt sicher, dass das das Richtige ist. Aber jetzt darf ich den Unterlagen für das Jobcenter hinterher rennen...und die sind so wichtig -.-"
Dann war ich mit meiner Freundin unterwegs...
Sie hat ihren Sohn dauernd angebrüllt, am Arm gezogen ...er hat ständig nur geweint und meine Kleine sagte immer, er sei traurig, weil er so weint...
Das war so furchtbar und mein Kind war danach den ganzen Tag völlig durch den Wind.
Nachdem ich so was nicht zum ersten Mal erlebt habe, habe ich sie drauf angesprochen. Sie meinte, so schlimm wäre es ja nicht gewesen und hin und wieder wird man halt mal lauter und so ein Unsinn. Und es wäre ja nicht immer so.
Kurz darauf schrieben mich gleich zwei ihrer Freundinnen an. Nach einigen Gesprächen kam dann raus, dass es ihnen ähnlich geht, wie mir. Sie sind ebenso erschrocken, wie ich, wie sie mit ihrem Kind und ihrem Mann umgeht und wie es bei ihr aussieht.
Wir alle waren der Meinung, dass was passieren muss, zumal sie das nächste Kind erwartet. Also habe ich mich dazu durchgerungen, zu handeln. Ich habe also das Amt für soziale Dienste angeschrieben und die aktuelle Lage geschildert.
Ich glaube, ich habe noch nie eine derart schwierige Entscheidung getroffen.
Ich kenne sie schon so lange und jetzt wird sie vermutlich eine ganze Weile wütend sein. Ich weiß, es ist normal, dass sie sauer ist, dass sie sich hintergangen fühlt und traurig ist.
Ich hoffe nur, sie nimmt die Hilfe an. Ich hoffe, dass es wieder besser wird und dass sie vielleicht irgendwann verstehen kann, warum ich das getan habe...
Letzte Woche war dann meine Freundin aus BaWü bei mir...mit Freund...und Hund...
Es war total schön, sie wieder zu sehen. Es ist immer ein bisschen, als wären wir nie getrennt gewesen. Ich hab sie total lieb und sie ist wie eine kleine Schwester für mich...im wahrsten Sinne des Wortes. Denn irgendwann nerven einen auch kleine Schwestern^^
Ich bin froh, sie mal wieder gesehen zu haben und zeitgleich sehr froh, dass jetzt wieder Ruhe eingekehrt ist^^
Und heute habe ich über Facebook einen Syrer kennen gelernt. Er kam vor neun Monaten mit dem Schiff. Sieben Tage hat er auf dem Meer zugebracht...eingepfercht mit 350 Personen. Die Reise war schrecklich und anstrengend. Und trotzdem ist er motiviert und lernt fleißg unsere Sprache. Er will den C1 Test bestehen, um hier sein Studium wieder aufnehmen zu können.
Ich bewundere diesen Ehrgeiz und habe beschlossen, mich auch in der Flüchtlingshilfe zu engagieren. Allein heute Nacht erwarten wir 7-10000 Flüchtlinge, die über Ungarn zu uns nach Deutschland kommen. Man hat mit Hilfe des THW, der AWO und dem Bund und vielen Helfern Hilfe für die Ankommenden aus dem Boden gestampft.
Jede Hand wird gebraucht. Genauso wie Spenden. Warme Kleidung, Schuhe, Babyartikel, Kinderwagen.
Ich möchte auf diesem Weg bitten: Wenn ihr was über habt, dann spendet! Helft, wo ihr könnt. Jede Hand wird gebraucht und jede noch so kleine Hilfe wird gern gesehen und angenommen. Egal, wo ihr seid.
Schließt euch auf Facebook zusammen, informiert euch über Hilfsangebote. Helft diesen Menschen.
Sie haben eine weite und sehr anstrengende Reise hinter sich. Haben Familienmitglieder, Freunde und all ihr Hab und Gut verloren.
Heißt sie willkommen und denkt daran: Es sind Menschen, die das Pech hatten, im falschen Land geboren worden zu sein.

Ich bin dann mal wieder weg und kümmere mich um ein paar Kontakte.

Bis dann,

Eure Jessy

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