Donnerstag, 10. September 2015

Refugees Welcome!

Hallo meine Lieben ;)

Heute widme ich mich mal einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt.
Immer wieder lese ich Kommentare von Menschen, die sich "besorgte Bürger" nennen, "kritisch"...oder schlicht dagegen.
Gegen was?
Gegen die Aufnahme von Flüchtlingen.
Ich frage mich immer: Was ist los mit diesen Menschen? Wo sind Empathie und Mitgefühl geblieben? Das sind auch Menschen, so wie du und ich.
Ich lese immer wieder: "Es sind zu viele, wir können keine mehr aufnehmen."
Zu viele...aha. Wir haben aktuell in Deutschland fast 81 Millionen Menschen. Und knapp 4 Millionen Geflüchtete sind zu viel? Ernsthaft?
Mal im Ernst, rechnet mal die Prozentzahlen aus...das ist ein absolut lächerliches Argument.
"Die bringen ihre Kultur hierher. Durch diese haben sie schon Probleme im eigenen Land, die sie jetzt auch noch hierher bringen."
Wow...ja. An den Problemen in Syrien und Co ist der Westen ja gänzlich unbeteiligt. Wir liefern ja keine Waffen, mit denen dann Menschen getötet werden. Es ist nicht "ihre" Kultur, die die Probleme schafft, sondern der Westen, der sich am Waffenhandel ganz legal ne goldene Nase verdient und dann Menschen, die vor Krieg und Terror fliehen als "illegal" bezeichnet.
"Die hätten ja auch in der Türkei, Griechenland oder Ungarn bleiben können. Das sind sichere Länder. Dort herrscht kein Krieg. Aber sie wollen hierher, um hier abzukassieren."
Mein Hassargument Nummer 1! Ja, genau...da herrscht kein Krieg. Wie sie in diesen Ländern "versorgt" werden, davon spricht immer keiner, daher werde ich das jetzt mal tun.
In der Türkei leben die Flüchtlinge auf der Straße. Kein Geld, kein Essen, keine medizinische Versorgung, kein Dach über dem Kopf. Da würde ich mit meiner Familie auch unbedingt bleiben wollen, weil ich mein Kind gern auf der Straße als Bettler großziehen möchte. Finde den Fehler!
Griechenland... Ja...mangelhafte Unterkünfte, die Menschen dort sind selbst arm (wir erinnern uns: Griechenland, unser Milliardengrab, wo die Bevölkerung streckenweise kein Geld mehr bekommen hat, weil die Banken die Automaten gesperrt hat? Das Land, das faktisch Bankrott ist und um das noch vor der Flüchtlingsdiskussion so ein Wirbel gemacht wurde?) und können die Menschen daher nicht wirklich versorgen.
Und Ungarn...nunja...die Bilder aus Ungarn kennen wir wohl inzwischen alle. Man will dort keine Flüchtlinge. Ungarn möchte die Flüchtlinge gern in Arbeitslager stecken. Also so ein bisschen wie die Deutschen damals mit den Juden. Das ist natürlich für Menschen, die vor Armut, Leid, Zerstörung und Krieg geflohen sind, genau das richtige. Nach all den Strapazen mit langen Wanderungen, Schleppern, Verlust von Familienmitgliedern und Freunden, will Ungarn sie als Sklaven halten. Na da würde ich auch bleiben wollen!
Und welche Alternative bleibt dann noch? Welches Land hat ein funktionierendes Sozialsystem und nimmt Fliehende auf und versorgt sie, so gut sie können? Genau, Deutschland. Und wer ein bisschen Empathie besitzt, der würde sich im Falle einer Flucht wohl genauso entscheiden.
"Man sieht immer nur junge Männer ankommen und die haben auch noch IPhones dabei."
Ja, stellt euch vor, diese Menschen hatten vor der Flucht auch mal ein Leben. Die kommen nicht aus dem Busch und hatten zu Hause keine Lehmhütten -.-" Wenn ich so was lese, bekomm ich ne Wut! Wenn ich das Haus verlasse, verreise, laufen gehe, habe ich mein Handy auch dabei und das ist auch kein billiges!
Und warum sieht man junge Männer so viel?
Verrate ich euch: Die Flucht ist teuer und gefährlich. Wenn ich mir nur die Flucht für einen leisten kann, wen schicke ich dann? Meine Frau? Mein Kind? Meine Großmutter?
Ich schicke den, der die größten Aussichten auf Erfolg hat. Die Reise ist nicht ohne. Tagelanges laufen, hunderte Kilometer, Schlepper, kleine, enge Boote, hunderte Menschen, wenig Essen und Trinken.
Wisst ihr, was Schlepper mit Kindern machen, die auf dem Schiff zu laut sind? Sie entreissen sie den Müttern und werfen sie über Bord! Einfach so, als wären sie Abfall.
Darum schicken die Familien diejenigen, die eine solche Reise überleben können. Und wenn diese dann eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, können die Familien nachreisen.
"Die wollen alle nur unser Geld und hier auf Staatskosten leben."
Ja genau. Die haben ja zu Hause im Busch gelebt und nie gearbeitet. Ich kenne inzwischen zwei. Beide aus Syrien. Der eine ist bereits neun Monate bei uns, spricht deutsch und lernt gerade für seinen B2 Test am Samstag. Er will hier sein Studium fortsetzen.
Der andere ist seit vier Wochen hier. Er lebt noch immer im Zeltlager im Hafen. Es ist kalt und schmutzig dort und das Essen ist eher mittelmäßig. Die medizinische Versorgung läuft den Umständen entsprechend gut und die Zelte sollen jetzt mit Pilzen beheizt werden.
Er hat studiert, ist gebildet und hochqualifiziert und wünscht sich nichts mehr, als endlich arbeiten zu dürfen und ein eigenständiges Leben zu haben. Er ist traurig und totunglücklich mit der Situation, wie sie ist. Er würde gern etwas tun. Leider gab es bisher nichtmal einen Deutschkurs. Die meiste Zeit kommunizieren wir auf English (was er im Übrigen fließend spricht) und ich habe angeboten, ihm mal Bremen zu zeigen, damit er weiß, in was für einer Stadt er überhaupt lebt.
Und da kommen dann Leute an und sagen: die kommen nur des Geldes wegen. Ja...weil in Zelten leben und frieren ja so toll ist. Die Kleidung, die sie tragen, sind alles Spenden. Von wegen, die haben alle Markenklamotten.
Ich kann diesen ganzen Rotz nicht mehr hören!
Viele vergessen, dass sie einfach nur Glück hatten. Das Glück, im richtigen Land geboren worden zu sein.
Ich bin nicht reich und ich habe nicht viel. Aber ich sitze hier auf meinem Bett und tippe an meinem Laptop. Neben mir mein Handy. Beides zusammen könnte eine Großfamilie für einen Monat versorgen.
Ich habe einen vollen Kühlschrank und habe heute morgen mit sauberem Trinkwasser geduscht. Ich kann die Wassertemperatur sogar aussuchen. In meinem Schrank ist mehr als genug Kleidung. Ich habe ein Dach über dem Kopf und kann nachts ohne Angst schlafen.
Damit bin ich reicher als 75% der Weltbevölkerung.
Heute Vormittag habe ich meinem Kind eine neue Regenjacke gekauft. Ich konnte mir aussuchen, wie sie aussehen soll. Mein Kind hat einen Schrank voll mit wunderschönen, farbenfrohen Klamotten, mehr als ein Paar Schuhe und geht ab nächster Woche in den Kindergarten.
Ich habe es so verdammt gut. Und es ärgert mich, wenn andere den Flüchtlingen nicht das Schwarze unter den Nägeln gönnen!
Das sind auch Menschen. In ihren Adern fließt rotes Blut und ihre Herzen schlagen in der gleichen Geschwindigkeit, wie unsere. Wenn sie sterben, verfallen ihre Körper genau wie unsere...
Nichts macht sie weniger wertvoll als uns.
Wir hatten nur einfach das Glück, in einem Land geboren worden zu sein, in dem Frieden herrscht und in dem unsere Kinder in Frieden aufwachsen können.
Es ist nichts, was wir uns verdient haben. Es ist etwas, was uns geschenkt wurde.
Darum, wenn ihr Flüchtlingen begegnet, denkt daran: Das könntet genauso gut ihr sein!
Seid freundlich und helft, wenn ihr könnt. Wenn ihr Kleidung aussortiert, bringt sie zur nächsten Unterkunft. Wenn ihr Spielzeug übrig habt: es gibt Kinder, die sich darüber freuen würden.
Wenn ihr Zeit habt, dann sortiert Spenden, schenkt Zeit, redet mit den Menschen und gebt ihnen nach all den Strapazen das Gefühl, willkommen zu sein.

1 Kommentar: