Freitag, 8. Mai 2015

"Du bist ne richtige Helikopter-Mutter!"

So lautete heute das Urteil meines Freundes und Vater meines Kindes. Und jetzt bin ich wach, kann nicht schlafen und mache mir Gedanken, ob er vielleicht recht haben könnte. Ob ich mein kleines Mädchen zu sehr behüte und ob ich ihr damit schaden könnte, oder ob er einfach nur ne Meise hat...ich bin mir da trotz rund vier Stunden Grübeln noch immer nicht sicher.
Was ist passiert?
Das, was mit Kind so passiert. Es ist Abend, das Kind will nicht schlafen/kann nicht schlafen/kommt nicht zur Ruhe...wie immer man das bezeichnen mag.
Also hat der Herr Papa beschlossen, dass jetzt Feierabend zu sein hat und trug das schreiende, weinende Kind ins Bett, während mein Mutterherz still vor sich hingeblutet hat.
Hin und wieder muss man Papa ja auch mal machen lassen (so der Gedanke hinter meinem Nicht-Handeln)...
Jetzt kam das Mäuschen aber weinend wieder aus dem Zimmer. An dieser Stelle wollte ich sie in den Arm nehmen und ihr einfach das bisschen Schmusezeit geben, aber Papa war schneller und trug mein nach Mama rufendes Kind wieder zurück ins Zimmer.
Nur...dass ich dieses Mal nicht mehr zusehen mochte. Ich hab sie ihm abgenommen, woraufhin er sich maulend ins Schlafzimmer verzogen hat und nicht mehr mit mir reden wollte.
Ich finde diese Art des Schmollens dezent anstrengend. Anstrengender, als mich abends noch ein paar Minuten länger um mein Kind zu kümmern, dass nach 5min Kuscheln freiwillig ins Bett gegangen ist.
Er ist der Meinung, ich verziehe das Kind und springe immer um sie rum und sie hätte mich voll im Griff.
An der Stelle muss ich sagen: Ja...maybe. Zumindest, wenn sie weint und zu Mama will. Da bin ich da. Immer. Stundenlang, wenn es sein muss. Wenn mein fieberndes Kind mal nicht schlafen kann, bleib ich auch schon mal die ganze Nacht auf. Ich schlafe auf dem Kinderzimmerfußboden, wenn meine Süße nachts mal wieder Angst vor Krokodilen und sich an mich klammert.
Ja...da bin ich Vollblutmama.
Aber ist das so falsch? Ist es so falsch, die Bedürfnisse meiner (nicht mal) 2,5 Jahre alten Tochter zu erfüllen, die vielleicht einfach nicht allein sein mag? Die gerade Zuwendung und Geborgenheit braucht, weil der Tag vielleicht so aufregend war oder anstrengend?
Ich hab doch auch Nächte, in denen ich nicht schlafen kann....jetzt zum Beispiel. Oder Nächte, wo ich schlicht noch nicht müde bin...oder Nächte, in denen ich so müde bin, dass ich aufgrund der Kopfschmerzen schon nicht mehr schlafen kann...
Es gibt doch so viele Gründe, warum Erwachsene nicht schlafen können. Warum also muss man bei einem Kleinkind das ins Bett gehen auf diese Weise erzwingen? Warum führen Eltern immer wieder Machtkämpfe um das Thema Schlafen?
Und wenn ich ihm dann nicht Recht gebe und mein Kind weinen lasse, bin ich ne Helikoptermum? Seriously?
Und während ich mir um all diese Dinge Gedanken mache, schnarcht er im Schlafzimmer. Ihm scheint es nicht schwer zu fallen, einzuschlafen, nachdem er sich doof verhalten hat -.-"
Ich meine...einfach gehen, sich ins Bett legen und nicht mehr mit mir reden? Das ist doch bitte kein erwachsenes Verhalten.
Mich ärgert das. Er hat mich wieder einfach mit so ner Worthülse abgekanzelt und sich wie ein Fünfjähriger zum Schmollen verzogen.
Und ich kann wieder sehen, wo ich meine Gefühle und Gedanken lasse...

Ach Gott...ich kann mein eigenes Gejammer bald nicht mehr hören. Irgendwie ...passt es nicht mehr... Und es fällt mir so schwer, mir das einzugestehen. Ich bemühe mich ja wirklich, es ihm recht zu machen. Ich mache den Haushalt, kümmere mich ums Kind, bin nett zu seinem Arschloch-Vater und seinem beknackten Bruder...(aber mehr als nett und höflich ist da nicht drin)...
Ja, ich könnte mehr Putzen, ja, ich könnte mehr machen, netter sein, nur noch ja und amen sagen, aber wäre das noch ich?
Ich bin nicht superordentlich und sauber - war ich noch nie. Ich bin niemand, der etwas heuchelt, was nicht ist - konnte ich noch nie, denn mein Gesicht spiegelt nur allzu deutlich, was ich fühle.
Ich würde mir mehr Unterstützung wünschen. Statt die Kleine weinend wieder ins Bett stecken zu wollen, hätte er auch mit ihr kuscheln können, damit ich mal in Ruhe fernsehen kann (einmal in der Woche...ein einziges Mal...aber selbst das...).
Er könnte sich einfach mal wirklich kümmern. Ihr was vorlesen, sich mit ihr ins Zimmer setzen und sie in den Arm nehmen, aber nein -man muss ja als Vater konsequent sein -.-"
Wenn er mal sonst so konsequent wäre. Im Garten lässt er sie am Wassergraben spielen. Das darf sie natürlich nur, wenn er auch da hinten ist. Aber wie soll ein Kleinkind verstehen, wann sie das nun darf und wann nicht? Genau - gar nicht.
Und wenn ich dann hinter meinem Kind herlaufe -weil der Graben nunmal ungesichert ist- bin ich wieder ne Helikoptermutter.
Momentan...kann ich es ihm irgendwie nicht recht machen. Es ist nie richtig. Wenn sie hier die Wände anmalt hätte ich ja wohl mal besser aufpassen können. Wenn sie was kaputt macht, hätte ich wohl mal drauf achten können, was sie macht (man kann sein Zeug ja nicht wegräumen). Wenn ich nicht will, dass sie am Graben spielt, bin ich ne Helikoptermutter...
Aber wehe, wenn ich drauf achte, was mein Kind macht und der Abwasch stehen bleibt,...dann bin ich faul...
Und während ich diese vielen Zeilen hier schreibe, fällt mir erst so richtig auf, wie sehr mich all das annervt. Wie unzufrieden ich damit bin und ...*seufz*
Warum können Beziehungen nicht einfach sein?


Und bevor ich jetzt noch mehr Unsinn schreibe, schaue ich mir lieber einen Film an und versuche dabei zu schlafen...

Ich melde mich sicher die Tage noch mal, wenn ich meine Gedanken und die Situation geordnet habe.

Gute Nacht

Eure Jessy

Kommentare:

  1. Ich habe den Begriff "Helikoptermum" noch nie gehört... ;-)
    Bei uns hieß das immer "Löwenmama" - eine, die sich aufopfernd um ihr Kleines kümmert, immer da ist, es vor allem beschützt (seien es Krokodile oder der "böse" Papa der einen nur rasch ins Bett steckt)...Meine Mam war eine Löwenmama.
    Und, ich will dir da jetzt nicht reinreden - aber beim Lesen deines Posts kam mir der Gedanke, dass ihre Überfürsorglichkeit vielleicht mit ein Grund ist, weswegen ich nicht allein sein kann/ nicht mit mir allein klarkomme im Sinne von: Ich schaffe das allein - ich brauche niemanden...
    Kinder müssen ja auch lernen, alleine klarzukommen. Aber da ich selbst keine Erziehungserfahrung habe, da kinderlos, wäre es sehr vermessen, dir irgendeinen Rat zu geben... Du machst das schon! Ein Kleinkind mit zweieinhalb darf meiner Meinung nach auf jeden Fall noch das volle "Programm Mama" bekommen!

    Joah, und dein Kerl... Dazu habe ich ja schonmal meinen Senf gegeben... Tut er dir gut? Tut er deiner Kleinen gut? Fragen, die man sich mal grundsätzlich stellen kann. Ich möchte dich um Gottes Willen nicht zu einer Trennung oder Pause oder was auch immer überreden... Aber manchmal rauscht die Zeit einfach so an einem vorbei, dass man gar nicht merkt, wie die Beziehung einem nichts mehr gibt...
    Ich wünsche dir, dass du in allem die richtigen, und für dich guten Entscheidungen triffst, sei es bei Beziehung/Erziehung oder sonst auch. Ganz liebe Grüße aus Süddeutschland :-)
    Leeli

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  2. Ich kann und möchte gar nicht beurteilen, ob du eine Helikoptermama bist. Was mir nur auffällt: Dein Freund und du, ihr scheint unterschiedliche Erziehungsmethoden zu haben. Und ich glaube, dass es nicht gut ist, wenn das Kind merkt, dass die Eltern nicht an einem Strang ziehen. Dazu ist es natürlich notwendig, dass der Papa sich nicht schmollend verzieht (wie du hier ja schreibst), sondern dich dabei unterstützt. Ach, das tut mir Leid, dass er da eher wie ein zweites Kind agiert.

    Vielleicht dient dir der Post als Denkanstoß für die Zukunft. Du kannst ab jetzt öfter für dich im Stillen hinterfragen, ob du "übertrieben" handelst oder nicht. Stell dir vor, du würdest eine andere Mutter mit ihrem Kind in der Situation sehen. Was würdest du denken?

    Ich finde es total süß, wie du für dein Kind da bist und nachts wach bleibst. Ich hoffe, dass ich das später auch mal so selbstlos mit meinem Kind mache :)

    Ganz liebe Grüße
    Lara

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  3. Also auch ich denke, es wäre vermessen, irgendwelche Ratschläge zu geben oder gar Predigten zu halten, da auch ich keine Erziehungserfahrung habe, sondern nur ein bisschen Erfahrung im Umgang mit kindern. Daher kann ich dir lediglich nur sagen, was ich nach diesem Text denke.
    Meiner Meinung nach, ist in diesem Fall leider der Vater im Recht. Ja es ist ein Kind und ich kann mir vorstellen, wie es einem das Herz zerreißt, wenn es weint, aber es muss lernen, dass es eben ins Bett gehen muss, wenn es so ist. Mit "schreien wir so lange bis Mama kommt" und Mama springt auf und macht und tut, sind das meiner Ansicht nach die absolut falschen Erziehungsanreize.
    (Über das Verhalten deines Freundes nach der ganzen Situtaion kann aber auch ich nur den Kopf schütteln).

    Und auch zur Situation mit dem Graben: Ich weiß natürlich nicht, wie der Graben so aussieht, aber ich denke dein Kind ist mit ihrem 2,5 jahren durchaus schon in der Lage zu verstehen, was man von ihr möchte. Sie kann in diesem Alter durchaus differenzieren, dass sie Dinge alleine nicht darf, aber schon wenn Mama/Papa dabei sind. Wenn es dort wirklich eine zumindest nicht ungefährliche Situation ist, verstehe ich, dass du da ein Auge drauf hast - meiner Meinung nach muss man Kinder aber einfach mal machen lassen! Wir sind doch früher auch mal in Pfützen gefallen, dreckig geworden oder haben uns mal weh getan. Genau dann muss eine Mama da sein und evtl. trösten und nicht schon vorher versuchen solche Dinge immer aus der Welt zu verbannen.

    Zu der Situation mit deinem Freund allgemein... Ich weiß nicht wie lange es schon her ist, dass du mal vieles zu der Situation mit ihm und seinen Eltern geschrieben hast - es wird bestimmt schon fast ein Jahr sein? Ich glaube an keiner dieser einzelnen Situationen wird sich was gebessert haben... Also solltest du dir vielleicht einfach die Frage stellen, wie lange das noch so weiter gehen soll und wie lange du das noch aushälst. Ich denke mir, dass du in dem Fall immer an deine Tochter denkst, denn es ist schließlich ihr Vater - aber du denkst auch an sie, wenn du dich evtl selbst von dieser Last befreist und ihr gemeinsam ein unbeschwerteres Leben habt. Ich glaube nicht, dass sie dir das später nachtragen könnte...

    LG
    Isabelle

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  4. Ich war das Kind, das weinend wieder ins Bett geschickt wurde. Dabei hatte ich Angst. Und habe eine Mama gebraucht. Und ich bin mir ganz ganz ganz sicher: Man kann sein Kind materiell verziehen. Aber nicht emotional. Weil Kinder sind sehr gut darin, zu wissen, was sie brauchen und wann.

    Helikoptereltern, das ist ein doofer Begriff. Ich finde es sehr wichtig, wenn das Kind etwas alleine machen will - sich alleine anziehen, alleine essen etc., dass man es lässt. Auch, wenn das sehr lange dauert. Dem Kind das Gefühl geben: Du schaffst das, du machst das gut, und wenn du irgendwas nicht schaffst, bin ich da, um zu helfen.

    Aber bitte, bitte bring dein Kind nicht weinend schreiend ins Bett.
    Kinder fühlen so viel und man fühlt sich so schnell zu viel, zu laut, als hätte keiner Zeit. Dein Gefühl und deine Intuition machen das verdammt richtig.

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  5. Erstmal lass dir sagen, du bist nicht die einzige, der es so geht. Wann immer ich mit meiner Freundin telefoniere, die ein Kind im selben Alter hat, bekomme ich ähnliche Dinge erzählt.

    Ich habe selbst (noch) keine Kinder, aber ich glaube, dass das mit der Helikoptermutter übertrieben ist wenn es um ein 2,5 Jahre altes Kind geht. Ja, ich gehöre auch zu den Menschen, die meinen, dass man ein Kind auch mal im Bett schreien lassen muss, aber ich glaube ebenso, dass man als Mutter durchaus in der Lage ist zu unterscheiden wann das Kind einfach nur bockig ist weil es nicht ins Bett will oder wann es noch ein bisschen Kuschelzeit mit Mama braucht um danach gut zu schlafen.

    Lass dich also von deinem Freund nicht irre machen. Das ist erst dann erlaubt, wenn das Kind in der Schule, dem Sportverein, Chor und so weiter ist und du nebenbei im Elternrat, Vorstand im Sportverein usw damit du dein Kind unter Daueraufsicht hast :)

    Du machst das gut so wie es ist.

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  6. Auch ich möchte dir natürlich nicht in die Erziehung deines Kindes reinreden. Kann und sollte man meiner Meinung nach auch nicht, vor allem, wenn man die Eltern nicht persönlich kennt. Da ich über längere Zeit im Kindergarten gearbeitet und Nachhilfe gegeben habe, wollte ich dir nur gerne meine Erfahrung mitteilen: Man kann zumeist, besonders als Mutter, ab einem gewissen Alter (was deine Kleine mit 2,5 hat) unterscheiden, was ein Kind möchte und warum es wie handelt. Bei bockigen oder respektlosen Kindern vertrete auch ich die Position: "Gut, einfach mal über dem Gezeter stehen, ruhig und vernünftig bleiben und nicht jedes Mal nachgeben." Wenn das Kind jedoch wirklich Angst oder mit Albträumen zu kämpfen hat, krank ist oder einfach viel zu verarbeiten hat, dann stehe ich auf deiner Seite. Bevor sich Kind und Eltern aufheizen und die Situation wohlmöglich eskaliert, kann man sich auch einfach dazu setzen, kuscheln, etwas erzählen etc.. Dies hilft meistens mehr als Meckern oder Bestrafung durch Wegtragen. Solange das Verhalten des Kindes nicht ausartet und z.B auch im Supermarkt auftritt und genug Freiraum bleibt zum Selbstentdecken, dann ist es nicht schlimm, auf das Kind einzugehen.
    Es ist natürlich nur wichtig, dass du mit deinem Freund darüber sprichst. Denn mit zwei komplett unterschiedlichen Methoden könnte eure Kleine doch etwas verwirrt werden.
    Wie gesagt, ich möchte keinesfalls über dich urteilen, sondern nur meine Auffassung mitteilen.
    Ganz liebe Grüße an dich :)

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